Schriftzug Familie Karatze
Herzlich willkommen!
Wir sind Familie Karatze.
Wir sind schon sehr lange zusammen, aber seit dem Corona-Lockdown sind wir es ständig.

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Archiv
  • 2020
  • Mai

  • © Franziska Ludwig / Alle Rechte an den Abbildungen liegen bei der Illustratorin.
    Jede kommerzielle Verwertung ist ohne Zustimmung des Urhebers unzulässig und strafbar.




    28. Mai 2020

    Coronaprojekt


    Wir befinden uns in Woche 11 der Schulschließung. Der Tag, an dem die Schulen dicht gemacht haben, ist nämlich der Beginn unserer persönlichen Corona-Zeitrechnung, weil seitdem jeden Tag Sonntag ist. Und wenn jeden Tag Sonntag ist, gibt es keine Sonntage mehr. Eigentlich müsste also ein neuer Name her, sowas wie Nonametag (ich freue mich an dieser Stelle über ideenreiche Zuschriften).

    Alles begann im März, genau genommen am 15. März, am Tag 0 unserer Zeitrechnung.
    Exakt an diesem Tag brachte meine Freundin Jonna die Einzelteile eines Gewächshauses. Es hatte so zerlegt gewissermaßen wartend ein vergessenes Dasein in einer Ecke ihres Gartens geführt und würde – gelänge der Plan – sich an die Wand des kleinen Hauses schmiegen, als wäre das seit jeher seine alleinige Bestimmung.
    Ein Gewächshaus stand auf unserer Wunschliste schon sehr lange ganz oben. Und so fügte sich ausgerechnet jetzt alles auf wundersame Weise.
    Wir hatten ein waschechtes Coronaprojekt.



    Gut, Jan hatte ein Coronaprojekt. Ich nahm wie üblich die beratende Position ein. Am Tag 1 der Woche 1 fanden sich Jan und sein Coronaprojekt aus freien Stücken und in aller Frühe im Garten zusammen. Wir anderen schliefen natürlich noch, Sonntag eben. Sofort nach dem Aufstehen wurde mir klar, dass das Coronaprojekt die denkbar günstigste Fluchtmöglichkeit vor dem Homeschooling der Kinder war und dass ich mich leider für die Rolle der Bauberaterin entschieden hatte.
    Relativ schnell stieß Jan auf das erste Problem:



    Das Teil war eine nichtssagende, längliche geriffelte Aluplatte ohne Bohrlöcher. In Wirklichkeit handelte es sich aber um die Steuerung, quasi das Herzstück des Gewächshauses. Ohne dieses Teil ist es einfach nur ein normales Gewächshaus, bei dem wir später alle Arbeiten selber machen müssen. Na, lass erstmal liegen, sagte ich, es wird schon durch einen Piepton und das dann erscheinende Display vermelden, wann, wo und wie es verbaut werden muss.
    Fortan widmete sich Jan dem Fundament, dem unsichtbaren, anstrengenden, aber entscheidenden Teil der ganzen Arbeit. Es ist beim Gewächshaus wie überall im Leben: Stimmt das Fundament, stimmt auch der Rest. Aber nur der Rest wird zukünftig gesehen.
    Als das Gerüst am Tag 24 der 7. Woche stand, freute ich mich ausgesprochen über den jetzt sichtbaren Rest.



    Für Jan war das nur ein weiteres Etappenziel des großen Ganzen. Zwischendrin nahm er es immer mal wieder mit dem mysteriösen Teil auf.



    Bis heute ist nicht geklärt, wie das Teil funktioniert und ob es sein Schweigen jemals brechen wird. Deshalb haben wir das Gewächshaus vorerst manuell in Betrieb genommen.
    Aber das ist schon wieder eine neue Geschichte.



    21. Mai 2020

    Trainingshose


    Die Hollywoodschaukel ist an Spießigkeit kaum zu übertreffen. Sie ist das Gegenteil von Hollywood. Sie steht in Gärten wie dem unseren, wo sie sich prima in das unspießige Gesamtbild einfügt. Zusätzlich tragen alle olle Trainingshosen.



    * Auch die Hollywoodschaukel selbst ist sehr bequem. In ihr schaukelnd unter blauem Firmament Eis am Stiel zu essen, ist wirklich der Himmel auf Erden.

    Was die Hollywoodschaukel betrifft, gilt es zwei Sachen zu beachten.
    1. Es ist nicht egal, mit wem du die Schaukel teilst. Manche schaukeln einfach zu hektisch. Das Schaukeln muss im absoluten Gleichklang passieren.
    2. Auch eine Hollywoodschaukel muss irgendwann mal neu gestrichen werden. Diese hier ist eine Spende der Nachbarn, die sie uns mit dem Hinweis: „Ihr müsst das Gestänge schön abschmirgeln und neu streichen, dann sieht sie wieder passabel aus.“ überließen. Das ist nie passiert. Und auch die häuslichen Coronawochen konnten uns nicht dazu motivieren.

    Zurück zur Trainingshose. Sie nimmt eine besondere Rolle in der Coronazeit ein. Ich kenne Menschen, die sie vor lauter Homeoffice und Homeschooling gar nicht mehr ausziehen wollen.
    Karl Lagerfelds letzte Worte waren ja: Wer Trainingshosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Da könnte was dran sein. Seit Corona sehe ich das aber nicht mehr so eng. Die Trainingshose ist perfekt geeignet, um sich lässig zwischen Küche, Schreibtisch, Schulaufgabentisch und Garten hin- und her zu bewegen.


    Die norddeutsche Bezeichnung Trainingshouse kommt ihrer wahren Bestimmung sehr nah, denn am allerwenigsten wird in ihr tatsächlich trainiert. Stattdessen trägt man sie zu Hause (vergl. auch engl. house).
    Die klassische Trainingshose ist fast immer betont hässlich und steht niemandem.



    17. Mai 2020

    Herzlich willkommen!


    Darf ich uns vorstellen?
    Wir sind Familie Karatze.
    Wir sind schon sehr lange zusammen, aber seit dem Corona-Lockdown sind wir es ständig.
    Ja, wissen wir, jetzt kommen die ganzen Lockerungen…

    Wir haben uns erst einmal etwas Zeit genommen, um überhaupt zu entstehen – obwohl es uns eigentlich ja schon gibt, hehe.

    Aber jetzt habe ich uns in einer passablen Variante gezeichnet. Und dann brauchten wir auch noch ein neues Zuhause, also diesen Blog hier. Daran hat wiederum Jan eine Weile gebastelt, und zwar so lange, bis wir uns darin wohlgefühlt haben. Und so ist dann doch etwas Zeit ins Land gegangen.
    Egal, jetzt sind wir da und hoffen, du auch.

    Das Bild oben ist übrigens ein Ausschnitt. Nicht nur das, es ist, wie wir Illustratoren sagen, auch noch ein Freisteller. Das heißt, dass das Bild keinen Hintergrund hat, weil man ihn am Computer entfernt oder gar nicht erst gezeichnet hat. So kann das Bild überall hingeschoben werden, sogar vor einen ganz neuen Hintergrund. 

    Eigentlich sieht das Bild nämlich so aus:


    Et voilà: Familie Karatze an einem Traumstrand mit Palmen. Das war ein schöner Urlaub neulich! Wir haben es uns so richtig gut gehen lassen. Alle mussten zuhause bleiben, nur wir lagen in der Sonne…

    Aber das glaubt uns vermutlich sowieso keiner.
    Wir sind in Wirklichkeit auch einfach nur zuhause und freuen uns, dass die Flugzeuge am Boden bleiben.

    Eigentlich sieht das Bild nämlich so aus:


    Und das stimmt jetzt wirklich. Es ist am einzigen Ostersonntag entstanden, der, seit Ostern überhaupt gefeiert wird, während eines Lockdowns stattgefunden hat. 

    Wir waren im Wald spazieren – einem Wald, in dem uns unter normalen Umständen kein Mensch begegnen würde. Diesmal mussten wir uns regelrecht ins Unterholz schlagen, denn wir empfanden die Menschenmassen, die alle nicht wussten, wo sie ihren Osterspaziergang sonst machen sollten, als äußerst bedrohlich. Wir sind halt Landeier.

    Und an diesem 12. April beschlossen wir, auch gleich unseren Familienfisch zu machen.

    Familienfisch? Wie jede Familie pflegen wir Familientraditionen. Dazu gehört der Familienfisch. Es handelt sich im Grunde um ein mit Selbstauslöser geschossenes Familienfoto.

    Sein Ursprung liegt weit zurück. Im Eingangsbereich des Kindergartens unseres Ältesten… darf ich vorstellen, das ist Noki…


    …hing damals ein ganzer Schwarm dieser Familienfische. Die Idee ist wirklich gut. Jede Familie hatte ein Foto von sich auf einen selbstgestalteten, und jetzt kommt’s: Fisch geklebt. Die Fischvorlage war für alle gleich.

    Wir entschieden, aus unserem Fisch einen Piranha zu machen. Damals fanden wir ihn ganz toll.
    Inzwischen kann ich problemlos nachvollziehen, welchen verstörenden Eindruck er hinterlassen haben muss.
    Dazu das Foto als lebensfrohes Dreigespann.


    Und zum Vergleich ein paar Fische von anderen Eltern…

    Eins ist am Ende dieses langen Tages noch wichtig, ich musste es meiner Freundin Pita versprechen: Auf diesem Blog wird nichts beschönigt.
    Wirklich nicht.




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